Homophobes Russland

Wegen dieser "Werbung" für Homosexualität vor einer Schule in Rjasan wurde Nikolai Baew 2009 verurteilt.

Homophobes Russland: Schwule und Lesben müssen zu Hause knutschen

Regenbogenfahne hissen in St. Petersburg? Als Mann auf dem Newskij Prospekt einen Mann küssen? Njet! Ein 2012 erlassenes Gesetz „Gegen Homosexuellen-Propaganda“ verbietet derartige Handlungen, bei Missachtung drohen drakonische Strafen. 

Die Regierungspartei Geeintes Russland begründet den Gesetzeserlass mit dem Kinderschutz. In der Nähe von Jugendlichen dürfe nicht für "Sodomie, Lesbischsein, Bisexualität und Transgender-Identität" geworben werden. Bei Kundgebungen von Schwulen und Lesben in Moskau Ende Mai 2012 wurden zahlreiche Personen, unter anderen der Chef des russischen Homosexuellen-Verbandes, Nikolai Alexejew, vorübergehend festgenommen.

Nun diskutieren auch das Moskauer Stadtparlament und die Staatsduma über eine nationale Ausdehnung der entsprechenden Gesetzesvorlage. Die einflussreiche orthodoxe Kirche und weite Teile der Gesellschaft in Russland lehnen Homosexualität ab.

Russische Gläubige verklagen Madonna

Weil US-Popstar Madonna bei ihrem Konzert am 9. August 2012 in St. Petersburg zu Toleranz für Schwule und Lesben aufgerufen hat, fordern russisch-orthodoxe Gläubige nun umgerechnet 11 Millionen Franken Schmerzensgeld. Unter anderem habe Madonna mit ihrem Einsatz für Homosexuelle gegen Gesetze der Touristenmetropole verstossen. „Wir, die Einwohner der Kulturhauptstadt, haben einen immensen moralischen Schaden erlitten“, sagte eine Sprecherin von Interfax. 50 Prozent der Schadenssumme sollen in die Stadtkasse fliessen.

Lesben küssen undercover

Weibliche Homosexualität wurde in der Sowjetunion zwar nicht strafrechtlich verfolgt wie das Schwulsein. Doch mussten lesbische Frauen, egal welchen Alters, mit Zwangseinweisung in eine Psychiatrieklinik rechnen. Heute besteht offiziell keine Möglichkeit der Zwangseinweisung mehr, viele Lesben in Russland scheinen jedoch ein Doppelleben mit Heirat und heimlichem lesbischen Leben zu führen.

Situation weltweit

Noch immer steht in 68 Staaten Homosexualität unter Strafe und in sieben Ländern droht sogar die Todesstrafe. Trotz einiger Erfolge in den westlichen Ländern müssen wir aber auch erkennen, dass in zahlreichen Ländern keine Fortschritte zu verzeichnen sind. Während es in vielen südamerikanischen Staaten enorme Fortschritte gibt, erleben wir in afrikanischen Staaten wie beispielsweise Uganda einen religiös motivierten Roll-back. In einigen Teilen der Welt sind Lynchmorde, Steinigungen, Folter an der Tagesordnung, nur weil Menschen einer sexuellen Minderheit angehören. 

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